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Theorie

Gleichschwebende Temperatur

Stimmung, die die Oktave in zwölf gleich große Halbtöne teilt.

Was es bedeutet

Die gleichschwebende Temperatur ist ein Stimmungssystem, das die Oktave in zwölf gleich große Halbtöne teilt. Jeder Halbton hat dabei dasselbe Frequenzverhältnis, nämlich die zwölfte Wurzel aus zwei, rund 1,0595, und misst 100 Cent. Alle Quinten sind gegenüber der reinen Quinte ein wenig verkleinert, alle Terzen gegenüber der reinen Terz etwas vergrößert.

Musikalische Verwendung

Der Vorteil der gleichschwebenden Temperatur liegt darin, dass alle Dur- und Molltonarten gleich gut spielbar sind und enharmonisch gleiche Töne zusammenfallen, etwa cis und des. Deshalb ist sie das Standardsystem für Klavier, Orgel und viele andere Tasteninstrumente sowie für die meisten modernen Ensembles geworden. Bis sie sich im 19. Jahrhundert allgemein durchsetzte, waren ungleichstufige Temperaturen verbreitet, in denen jede Tonart einen eigenen Charakter hatte.

Abzugrenzen ist die gleichschwebende von der reinen Stimmung, die die Intervalle nach einfachen Zahlenverhältnissen rein stimmt, aber nicht alle Tonarten zulässt, und von den ungleichstufigen, „wohltemperierten“ Systemen der Barockzeit. Sie ist ein Kompromiss, bei dem keine Tonart perfekt, aber alle brauchbar klingen.

Spielpraxis

Wenn du ein Streich- oder Blasinstrument spielst, denke daran, dass du im Zusammenspiel mit Tasteninstrumenten die temperierte Stimmung übernimmst, im Streichquartett aber häufig die Terzen etwas reiner stimmst. Höre auf die Schwebungen zwischen den Tönen, um zu beurteilen, ob ein Intervall zu hoch oder zu tief liegt.